CEFR B2 • Verben

Konjunktiv I – Indirekte Rede

Auf B2-Niveau lernen Sie den Konjunktiv I als Mittel der indirekten Rede. Er ist typisch für Zeitungsberichte, Nachrichten und offizielle Texte: Der Minister sagte, die Reform sei notwendig.

Kernregel: Konjunktiv I = Verbstamm + Endung (-e, -est, -e, -en, -et, -en). Wenn Konjunktiv I = Indikativ → Konjunktiv II als Ersatz verwenden.

At CEFR level B2, learners study Konjunktiv I – the grammatical mood used primarily for indirect speech (indirekte Rede). It is essential in journalism, academic writing, and formal reports, where speakers relay what others have said without quoting them directly.

Kernregel: Der Konjunktiv I dient hauptsächlich der indirekten Rede. Er signalisiert: „Das ist nicht meine Aussage – ich berichte, was jemand anderes gesagt hat.“

Was ist indirekte Rede?

Indirekte Rede gibt wieder, was jemand gesagt, gedacht oder geschrieben hat – ohne wörtliches Zitat.

Direkte Rede

  • Er sagt: „Ich bin müde.“
  • Sie erklärt: „Wir haben keine Zeit.“
  • Der Arzt sagt: „Sie müssen mehr schlafen.“

Indirekte Rede (Konjunktiv I)

  • Er sagt, er sei müde.
  • Sie erklärt, sie hätten keine Zeit.
  • Der Arzt sagt, sie müsse mehr schlafen.
Merke: In der Alltagssprache verwendet man oft den Indikativ mit dass: Er sagt, dass er müde ist. In Zeitungen, Nachrichten und wissenschaftlichen Texten ist der Konjunktiv I jedoch Standard.

Bildung des Konjunktiv I

Der Konjunktiv I wird vom Infinitivstamm gebildet. An den Stamm treten die Endungen: -e, -est, -e, -en, -et, -en.

Person Endung kommen haben sein (unregelm.!)
ich -e komme habe sei
du -est kommest habest sei(e)st
er/sie/es -e komme habe sei
wir -en kommen haben seien
ihr -et kommet habet seiet
sie/Sie -en kommen haben seien
Achtung: sein ist das einzige Verb, dessen Konjunktiv-I-Formen in allen Personen eindeutig erkennbar sind (ich sei, du seist, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien). Bei allen anderen Verben fallen einige Formen mit dem Indikativ zusammen.

Konjunktiv I in verschiedenen Zeiten

Der Konjunktiv I existiert in drei Zeitstufen:

Zeitstufe Bildung Beispiel
Gegenwart Konjunktiv I des Vollverbs Er sagt, er komme später.
Vergangenheit sei / habe + Partizip II Er sagt, er sei gekommen. / Er habe gesagt.
Zukunft werde + Infinitiv Er sagt, er werde kommen.
Praxistipp: Die Vergangenheit der indirekten Rede ist besonders häufig in Zeitungsberichten: Der Minister erklärte, er habe die Maßnahme geprüft.

Die Ersatzregel

Wenn die Form des Konjunktiv I identisch mit dem Indikativ ist, verwendet man stattdessen den Konjunktiv II als Ersatz. Das betrifft vor allem:

Person Indikativ Konjunktiv I Problem? Ersatzform (Konj. II)
ich ich komme ich komme = identisch! ich käme
er/sie/es er kommt er komme kein Problem
wir wir kommen wir kommen = identisch! wir kämen
sie (Pl.) sie kommen sie kommen = identisch! sie kämen
ich (sein) ich bin ich sei kein Problem
sie (Pl., haben) sie haben sie haben = identisch! sie hätten
Faustregel: In der 3. Person Singular (er/sie/es) funktioniert der Konjunktiv I fast immer. In der 1. und 3. Person Plural muss man fast immer auf den Konjunktiv II ausweichen.

Konjunktiv I in Zeitungsberichten

In Nachrichten und Presseberichten ist der Konjunktiv I das Standardmittel, um Aussagen wiederzugeben. Typische einleitende Verben: sagen, erklären, berichten, mitteilen, betonen, hinzufügen, bestätigen.

Beispiele aus Zeitungsberichten

  • Der Minister erklärte, die Situation sei unter Kontrolle.
  • Die Forscher berichteten, sie hätten neue Ergebnisse gefunden.
  • Die Sprecherin betonte, die Regierung werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen.
  • Der Konzernchef teilte mit, das Unternehmen habe den Umsatz gesteigert.
  • Experten wiesen darauf hin, die Risiken seien nicht zu unterschätzen.
Stilhinweis: Durch den Konjunktiv I hält sich der Journalist neutral – er gibt nur wieder, was gesagt wurde, ohne es als wahr oder falsch zu bewerten.

Feste Wendungen mit Konjunktiv I

Einige feste Wendungen verwenden den Konjunktiv I außerhalb der indirekten Rede. Sie drücken Wünsche, Aufforderungen oder Anweisungen aus:

Wünsche & Ausrufe

  • Es lebe die Freiheit!
  • Gott sei Dank!
  • Es sei denn, … (unless …)
  • Wie dem auch sei … (Be that as it may …)

Anleitungen & Rezepte

  • Man nehme 200 g Mehl und 3 Eier.
  • Man rühre die Mischung kräftig um.

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Wie bildet man den Konjunktiv I?

Vom Infinitivstamm + Endung: ich komme, du kommest, er/sie komme, wir kommen, ihr kommet, sie kommen. Einzige Ausnahme: sein → ich sei, du sei(e)st, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien.

Was ist die Ersatzregel beim Konjunktiv I?

Wenn der Konjunktiv I identisch mit dem Indikativ ist, verwendet man den Konjunktiv II als Ersatz: Sie sagten, sie hätten keine Zeit (nicht: sie haben, da Konj. I = Indikativ). Betrifft vor allem ich, wir, sie (Plural).

Welche Zeitformen hat der Konjunktiv I?

Gegenwart: er komme, er sei, er habe. Vergangenheit: er sei gekommen, er habe gesagt (mit sei/habe + Partizip II). Zukunft: er werde kommen (mit werde + Infinitiv). In der Praxis genügen meist Gegenwart und Vergangenheit.

Wo wird der Konjunktiv I verwendet?

Hauptsächlich in Zeitungsberichten und Nachrichten: Der Sprecher erklärte, die Situation sei unter Kontrolle. Außerdem in festen Wendungen: Es lebe die Freiheit! Man nehme 200 g Mehl. Im Alltag wird die indirekte Rede meist mit würde oder Indikativ gebildet.

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