CEFR B2 • Verben

Verbale Nominalisierungen

Auf B2-Niveau lernen Sie, wie aus Verben systematisch Nomen gebildet werden. Verbale Nominalisierungen sind zentral für formale, wissenschaftliche und amtliche Texte. Dieses Thema bildet die Brücke zum Nominalstil auf C1-Niveau.

Kernregel: Aus Verben werden Nomen durch Suffixe (entscheiden → die Entscheidung) oder durch Infinitiv-Substantivierung (lesen → das Lesen). Der Akkusativ des Verbs wird dabei oft zum Genitiv: Man untersucht den Fall → die Untersuchung des Falls.

Auf B2-Niveau lernt man, wie aus Verben Nomen entstehen – sogenannte verbale Nominalisierungen. Diese Nomen übernehmen die Bedeutung des Verbs, funktionieren aber grammatisch als Substantive. Sie sind ein zentrales Merkmal formaler und akademischer Sprache im Deutschen.

Kernregel: Verbale Nominalisierungen sind Nomen, die aus Verben abgeleitet werden: entscheiden → die Entscheidung. Sie verdichten Aussagen und sind typisch für Verwaltung, Wissenschaft und Nachrichten.

Was sind verbale Nominalisierungen?

Verbale Nominalisierungen sind Nomen, die von Verben abgeleitet werden. Das Verb verliert dabei seine konjugierte Form und wird zu einem Substantiv mit Artikel und Genus. Der Bedeutungskern bleibt erhalten, aber die syntaktische Funktion ändert sich grundlegend:

Verbale Nominalisierungen sind unverzichtbar für formales Schriftdeutsch. Wer sie beherrscht, kann Texte aus Wissenschaft, Verwaltung und Journalismus besser verstehen und selbst verfassen.

Suffixe und Muster

Die wichtigsten Muster der verbalen Nominalisierung im Überblick:

Suffix / Muster Genus Verb → Nomen
-ung feminin (die) entscheiden → die Entscheidung
-ung feminin (die) untersuchen → die Untersuchung
-ung feminin (die) entwickeln → die Entwicklung
-ung feminin (die) erklären → die Erklärung
-ung feminin (die) vorstellen → die Vorstellung
-ung feminin (die) übersetzen → die Übersetzung
-nis feminin (die) erkennen → die Erkenntnis
-nis neutral (das) erleben → das Erlebnis
-nis neutral (das) ergeben → das Ergebnis
-nis neutral (das) bedürfen → das Bedürfnis
-e feminin (die) fragen → die Frage
-e feminin (die) folgen → die Folge
-e feminin (die) pflegen → die Pflege
-e feminin (die) suchen → die Suche
Infinitiv als Nomen neutral (das) lesen → das Lesen
Infinitiv als Nomen neutral (das) schreiben → das Schreiben
Infinitiv als Nomen neutral (das) essen → das Essen
Infinitiv als Nomen neutral (das) lernen → das Lernen
Stammform / Nullableitung maskulin (der) beginnen → der Beginn
Stammform / Nullableitung maskulin (der) anrufen → der Anruf
Stammform / Nullableitung maskulin (der) versuchen → der Versuch
Stammform / Nullableitung maskulin (der) besuchen → der Besuch
Tipp: Die Endung -ung ist bei Weitem die häufigste. Im Zweifelsfall: Versuchen Sie -ung!

Genus-Regeln

Das Suffix bestimmt zuverlässig das Genus der Nominalisierung:

Genusübersicht:
  • -ung → immer feminin (die)
  • -nis → meist Neutrum (das), aber: die Erkenntnis, die Erlaubnis
  • -e → feminin (die)
  • Infinitiv als Nomen → immer Neutrum (das)
  • Stammform / Nullableitung → oft Maskulinum (der Beginn, der Anruf)

Vom Verb zum Nomen: Syntaktische Veränderungen

Bei der Nominalisierung verändern sich die Satzglieder systematisch. Dies ist eine der wichtigsten Regeln für den Nominalstil:

Akkusativobjekt → Genitivattribut

  • Verbal: Man untersucht den Fall.
  • Nominal: die Untersuchung des Falls

Subjekt → Genitivattribut oder von + Dativ

  • Verbal: Die Forscher entdeckten einen neuen Planeten.
  • Nominal: die Entdeckung der Forscher
  • Nominal: die Entdeckung von Forschern

Adverb → Adjektiv

  • Verbal: gründlich untersuchen
  • Nominal: die gründliche Untersuchung

Verbalstil vs. Nominalstil

Dieselbe Aussage lässt sich verbal oder nominal formulieren. Der Nominalstil verdichtet Information und wirkt formeller:

Verbalstil (alltagssprachlich, lebendig)

  • „Die Regierung hat beschlossen, die Steuern zu senken.“
  • „Nachdem die Polizei den Verdächtigen verhört hatte, ...“

Nominalstil (formal, Fachsprache)

  • „Der Beschluss der Regierung zur Senkung der Steuern ...“
  • „Nach der Vernehmung des Verdächtigen durch die Polizei ...“
Tipp: Nominalstil ist typisch für Verwaltung, Wissenschaft und Nachrichten. Er verdichtet Information, kann aber schwer lesbar werden. Auf C1-Niveau wird dieses Thema vertieft.

Nominalisierungen in formalen Texten

In verschiedenen Registern begegnen uns Nominalisierungen besonders häufig:

Verwaltung

  • „Die Bearbeitung Ihres Antrags erfolgt innerhalb von zwei Wochen.“

Nachrichten

  • „Nach der Unterzeichnung des Abkommens äußerten sich beide Seiten zufrieden.“

Wissenschaft

  • „Die Untersuchung ergab eine signifikante Verbesserung der Ergebnisse.“

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was sind verbale Nominalisierungen?

Verbale Nominalisierungen sind Nomen, die aus Verben abgeleitet werden: entscheiden → die Entscheidung, untersuchen → die Untersuchung, lesen → das Lesen. Sie übernehmen die Bedeutung des Verbs, aber funktionieren grammatisch als Nomen.

Welche Suffixe gibt es für verbale Nominalisierungen?

Die wichtigsten Suffixe sind: -ung (die häufigste: die Entscheidung, die Untersuchung), -nis (das Erlebnis, die Erkenntnis), -e (die Frage, die Folge) und die Infinitiv-Substantivierung (das Lesen, das Schreiben — immer Neutrum).

Was passiert mit dem Akkusativobjekt bei der Nominalisierung?

Das Akkusativobjekt des Verbs wird zum Genitivattribut des Nomens: Man untersucht den Falldie Untersuchung des Falls. Das Subjekt kann als von- oder durch-Angabe erscheinen: Die Polizei untersucht …die Untersuchung durch die Polizei.

Was ist der Unterschied zwischen Verbal- und Nominalstil?

Verbalstil ist alltagssprachlich und direkt: Die Forscher entdeckten, dass … Nominalstil ist formaler und typisch für Fachsprache: Die Entdeckung der Forscher zeigt, dass … Auf B2 lernen Sie die Grundlagen; auf C1 wird der Nominalstil vertieft.

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