CEFR B2 • Verben

Temporale und modale Verbperiphrasen

Auf B2-Niveau lernen Sie Verbperiphrasen — Umschreibungen mit Halbmodalverben, die zeitliche oder modale Nuancen ausdrücken, die einfache Zeitformen nicht bieten. Strukturen wie dabei sein zu, scheinen zu oder drohen zu machen Ihre Ausdrucksweise präziser und stilistisch anspruchsvoller.

Kernregel: Verbperiphrasen bestehen aus einem Hilfsverb oder Halbmodalverb + zu + Infinitiv und drücken Nuancen wie Gleichzeitigkeit, Gewohnheit, Anschein oder drohende Gefahr aus: Er scheint zu schlafen (= Es sieht so aus, als ob er schläft).

Was sind Verbperiphrasen?

Verbperiphrasen (auch: verbale Umschreibungen) sind mehrteilige Verbkonstruktionen, die aus einem Hilfsverb oder Halbmodalverb + zu + Infinitiv bestehen. Sie drücken feinere temporale (zeitliche) und modale (Art-und-Weise-) Nuancen aus, die mit einfachen Tempora oder klassischen Modalverben nicht möglich sind.

Während Modalverben wie können, müssen, dürfen grundlegende Kategorien wie Fähigkeit, Pflicht und Erlaubnis ausdrücken, ermöglichen Verbperiphrasen Nuancen wie Anschein, Gefahr, Verlauf, Gewohnheit oder Unmittelbarkeit.

Kernregel: Verbperiphrasen bestehen aus einem Hilfsverb oder Halbmodalverb + zu + Infinitiv und drücken feinere temporale oder modale Bedeutungen aus als einfache Tempora oder Modalverben. Sie sind typisch für die gehobene Schriftsprache und formelle Kontexte.

Temporale Periphrasen

Diese Konstruktionen drücken zeitliche Nuancen aus – etwa den Verlauf einer Handlung, ihre Unmittelbarkeit oder eine Gewohnheit:

Periphrase Bedeutung Beispiel
dabei sein zu + Inf. andauernde Handlung (Verlaufsform) Er ist dabei, den Bericht zu schreiben.
→ He is (in the process of) writing the report.
im Begriff sein zu + Inf. unmittelbar bevorstehende Handlung Sie ist im Begriff, das Haus zu verlassen.
→ She is about to leave the house.
pflegen zu + Inf. Gewohnheit (gehoben/formell) Er pflegt früh aufzustehen.
→ He usually gets up early.
Tipp: Dabei sein zu entspricht dem englischen to be doing something – eine Verlaufsform, die im Deutschen sonst nur mit gerade umschrieben wird. Im Begriff sein zu entspricht to be about to.

Modale Periphrasen

Diese Konstruktionen drücken modale Nuancen aus – etwa Anschein, Gefahr, Nicht-Notwendigkeit oder Fähigkeit in gehobener Sprache:

Periphrase Bedeutung Beispiel
drohen zu + Inf. drohende Gefahr / negative Möglichkeit Das Haus droht einzustürzen.
Die Verhandlungen drohen zu scheitern.
scheinen zu + Inf. Anschein / Eindruck Er scheint zu schlafen.
Die Lage scheint sich zu verbessern.
brauchen (nicht/nur) zu + Inf. Nicht-Notwendigkeit (fast immer verneint oder eingeschränkt) Du brauchst nicht zu kommen.
Sie brauchen nur anzurufen.
vermögen zu + Inf. Fähigkeit (formell/literarisch für können) Er vermag es nicht zu erklären.
wissen zu + Inf. Fähigkeit / Geschick Sie weiß sich zu helfen.
Er weiß seine Worte zu wählen.

Abgrenzung zu Modalverben

Verbperiphrasen und Modalverben haben ähnliche Funktionen, unterscheiden sich aber in Struktur und Bedeutungsnuancen:

Modalverben

  • OHNE zu + Infinitiv
  • Drücken Pflicht, Fähigkeit, Erlaubnis aus
  • Verben: müssen, können, dürfen, sollen, wollen, mögen
  • Er kann schwimmen.
  • Sie muss arbeiten.

Verbperiphrasen

  • MIT zu + Infinitiv
  • Drücken feinere Nuancen aus: Anschein, Gefahr, Gewohnheit, Verlauf
  • Verben: scheinen, drohen, pflegen, brauchen, wissen, vermögen
  • Er scheint zu schlafen.
  • Sie pflegt früh aufzustehen.
Sonderfall „brauchen“: In der Umgangssprache wird brauchen häufig ohne „zu“ verwendet, wie ein echtes Modalverb: „Du brauchst nicht kommen.“ In der Standardsprache und im schriftlichen Deutsch verlangt brauchen jedoch immer „zu“: „Du brauchst nicht zu kommen.“ Merksatz: „Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen.“

Register und Stil

Stilebenen: Verbperiphrasen gehören überwiegend zur Schriftsprache und zum formellen Register. Beachten Sie die Unterschiede:
  • Literarisch/gehoben: pflegen zu und vermögen zu – kommen vor allem in literarischen Texten und offiziellen Dokumenten vor.
  • Presse/Nachrichten: scheinen zu und drohen zu – sehr häufig in Zeitungsartikeln, Nachrichten und Berichten.
  • Neutral/allgemein: dabei sein zu – kommt in gesprochener und geschriebener Sprache vor.
  • Umgangssprache: brauchen (nicht) zu – in der Alltagssprache sehr verbreitet, oft ohne zu.
  • Gehoben: wissen zu – wirkt elegant und betont bewusstes Können.

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was sind Verbperiphrasen?

Verbperiphrasen sind mehrteilige Verbkonstruktionen, die zeitliche oder modale Bedeutungen ausdrücken, die einfache Zeitformen nicht leisten können. Sie bestehen aus einem Hilfsverb/Halbmodalverb + zu + Infinitiv: Er ist dabei, den Bericht zu schreiben.

Was ist der Unterschied zwischen Verbperiphrasen und Modalverben?

Modalverben (müssen, können, sollen) stehen ohne zu und drücken Pflicht, Fähigkeit, Erlaubnis aus. Verbperiphrasen stehen mit zu und drücken feinere Nuancen aus: Anschein (scheinen zu), Gefahr (drohen zu), Gewohnheit (pflegen zu).

Was bedeutet 'drohen zu' als Verbperiphrase?

Als Verbperiphrase bedeutet drohen zu nicht «bedrohen», sondern signalisiert eine negative Entwicklung oder Gefahr: Die Verhandlungen drohen zu scheitern = Es besteht die Gefahr, dass die Verhandlungen scheitern.

Wann benutzt man 'brauchen zu' statt 'müssen'?

Brauchen + zu + Infinitiv wird fast ausschließlich verneint oder eingeschränkt verwendet: Du brauchst nicht zu kommen = Du musst nicht kommen. Du brauchst nur anzurufen = Du musst nur anrufen. Positiv verwendet man müssen.

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