Auf C1-Niveau beherrschen Sie alle Passiversatzformen und ihre modalen Nuancen. Sie wählen stilsicher zwischen sein + zu + Infinitiv, sich lassen + Infinitiv, Adjektiven auf -bar/-lich und man + Aktiv, um Texte abwechslungsreicher und präziser zu gestalten.
In wissenschaftlichen, juristischen und administrativen Texten wird das Passiv häufig verwendet. Zu viele Passivsätze wirken jedoch monoton und schwer lesbar. Passiversatzformen bieten stilistische Abwechslung und ermöglichen verschiedene modale Nuancen (Möglichkeit, Notwendigkeit), ohne das Passiv direkt zu verwenden.
Diese Konstruktion entspricht müssen + Passiv (Pflicht) oder können + Passiv (Möglichkeit). Welche Bedeutung vorliegt, ergibt sich aus dem Kontext und aus Adverbien.
| Bedeutung | sein + zu + Infinitiv | Passiv-Entsprechung | Signal |
|---|---|---|---|
| Pflicht | Die Vorschriften sind zu beachten. | Die Vorschriften müssen beachtet werden. | Kontext, unbedingt |
| Pflicht | Der Antrag ist fristgerecht einzureichen. | Der Antrag muss fristgerecht eingereicht werden. | Kontext, fristgerecht |
| Möglichkeit | Das Problem ist leicht zu lösen. | Das Problem kann leicht gelöst werden. | leicht |
| Möglichkeit | Das Ergebnis ist kaum zu glauben. | Das Ergebnis kann kaum geglaubt werden. | kaum |
Diese Form entspricht immer können + Passiv – sie drückt ausschließlich Möglichkeit aus, niemals Pflicht.
Adjektive auf -bar und -lich entsprechen ebenfalls können + Passiv. Die Endung -bar ist am produktivsten; -lich existiert nur bei wenigen Verben.
| Endung | Adjektiv | Passiv-Entsprechung |
|---|---|---|
| -bar | machbar | kann gemacht werden |
| erklärbar | kann erklärt werden | |
| lesbar | kann gelesen werden | |
| messbar | kann gemessen werden | |
| erkennbar | kann erkannt werden | |
| -lich | verständlich | kann verstanden werden |
| erklärlich | kann erklärt werden | |
| unüberwindlich | kann nicht überwunden werden |
Die einfachste Passiversatzform: Das Indefinitpronomen man ersetzt die Passivkonstruktion durch einen aktiven Satz mit unbestimmtem Subjekt.
Die folgende Tabelle zeigt denselben Inhalt in allen Passiversatzformen. Beachten Sie die unterschiedlichen modalen Nuancen.
| Form | Beispiel (können) | Beispiel (müssen) |
|---|---|---|
| Passiv | Das Problem kann gelöst werden. | Das Problem muss gelöst werden. |
| sein + zu + Infinitiv | Das Problem ist (leicht) zu lösen. | Das Problem ist (unbedingt) zu lösen. |
| sich lassen + Infinitiv | Das Problem lässt sich lösen. | — (nicht möglich) |
| Adjektiv auf -bar | Das Problem ist lösbar. | — (nicht möglich) |
| man + Aktiv | Man kann das Problem lösen. | Man muss das Problem lösen. |
Sein + zu + Infinitiv drückt eine Notwendigkeit oder Möglichkeit im Passiv aus. Die Bedeutung hängt vom Kontext ab: Der Antrag ist bis Freitag einzureichen = muss eingereicht werden (Pflicht). Hier ist kein Unterschied zu erkennen = kann erkannt werden (Möglichkeit).
Beide drücken Möglichkeit im Passiv aus, aber: sich lassen + Infinitiv ist flexibler und passt zu jedem Verb: Das lässt sich erklären. Adjektive auf -bar existieren nur für bestimmte Verben: erklärbar, machbar. Nicht jedes Verb hat ein -bar-Adjektiv.
Man + Aktiv ist die einfachste Passiversatzform und ist im Alltag sehr gebräuchlich: Man muss den Antrag bis Freitag einreichen = Der Antrag muss eingereicht werden. In formalen Texten wird man oft vermieden, da es unbestimmt wirkt.
Die modale Bedeutung hängt vom Kontext ab: Bei Pflichten und Regeln = müssen: Die Vorschriften sind zu beachten. Bei Möglichkeiten oder Fähigkeiten = können: Das Problem ist leicht zu lösen. Oft hilft der Kontext oder ein Adverb (leicht, schwer) bei der Unterscheidung.