Auf C1-Niveau erkennen und steuern Sie den Wechsel zwischen Verbal- und Nominalstil. Sie analysieren, wann welcher Stil angemessen ist, formen Sätze systematisch in beide Richtungen um und vermeiden übermäßigen Nominalstil als typischen Stilfehler.
Kernregel: Verbalstil: dynamisch, mit finiten Verben und Nebensätzen (Wir beschlossen, das Projekt fortzusetzen). Nominalstil: verdichtet, mit Nominalisierungen und Genitivattributen (Der Beschluss zur Fortsetzung des Projekts). Die Wahl hängt von Textsorte und Leserschaft ab.
Verbalstil: Merkmale
Der Verbalstil zeichnet sich durch den häufigen Gebrauch von finiten Verben, Nebensätzen und aktiven Konstruktionen aus. Er ist dynamisch, lebendig und leichter verständlich.
Typische Merkmale
- Aktive, konjugierte Verben statt Nominalisierungen
- Nebensätze (weil, dass, obwohl, nachdem) statt Attribute
- Klares Agens (Wer handelt?)
- Kürzere, übersichtlichere Sätze
Beispiele
- Nachdem die Regierung beschlossen hatte, die Steuern zu senken, reagierten die Märkte positiv.
- Die Forscher stellten fest, dass die Ergebnisse ihre These bestätigten.
- Weil die Kosten gestiegen sind, muss das Unternehmen sparen.
Nominalstil: Merkmale
Der Nominalstil verwendet Nominalisierungen, Genitivketten und Präpositionalattribute. Er ist verdichtet, sachlich und unpersönlich.
Typische Merkmale
- Nominalisierungen statt Verben (Durchführung statt durchführen)
- Genitivattribute statt Nebensätze
- Präpositionalattribute (zur Senkung der Steuern)
- Oft kein klares Agens (unpersönlich)
Beispiele
- Nach dem Beschluss der Regierung zur Senkung der Steuern kam es zu einer positiven Reaktion der Märkte.
- Die Feststellung der Bestätigung der These durch die Ergebnisse wurde veröffentlicht.
- Aufgrund des Anstiegs der Kosten ist eine Einsparung erforderlich.
Vergleich: Der Verbalstil ist typisch für Journalismus, Erzähltexte und Alltagssprache. Der Nominalstil ist typisch für Verwaltung, Recht, Wissenschaft und Behördensprache.
Systematische Umformung: Verbal → Nominal
Bei der Umformung in den Nominalstil werden Verben zu Nomen, Nebensätze zu Attributen und Subjekte zu Genitivattributen.
| Verbalstil |
→ |
Nominalstil |
| Die Regierung beschloss, die Steuern zu senken. |
→ |
der Beschluss der Regierung zur Steuersenkung |
| Die Behörde hat den Antrag genehmigt. |
→ |
die Genehmigung des Antrags durch die Behörde |
| Nachdem man die Daten ausgewertet hatte, ... |
→ |
nach der Auswertung der Daten ... |
| Weil die Kosten gestiegen sind, ... |
→ |
aufgrund des Anstiegs der Kosten ... |
Transformationsregeln: Verb → Nominalisierung (mit Suffix), Subjekt → Genitivattribut, kausaler Nebensatz (weil) → aufgrund + Genitiv, temporaler Nebensatz (nachdem) → nach + Dativ, finaler Nebensatz (damit/um...zu) → zur + Nominalisierung.
Systematische Umformung: Nominal → Verbal
Die Rücktransformation hilft, schwer lesbare Texte zu vereinfachen.
| Schritt |
Aktion |
Beispiel |
| 1 |
Nominalisierung finden |
die Durchführung der Reform |
| 2 |
Basisverb bestimmen |
→ durchführen |
| 3 |
Agens identifizieren |
→ die Regierung (aus Kontext) |
| 4 |
Verbalen Satz bilden |
Die Regierung führte die Reform durch. |
Textsorten und Stilpräferenz
Die Wahl des Stils hängt von der Textsorte und der Zielgruppe ab.
| Verbalstil bevorzugt |
Nominalstil bevorzugt |
| Zeitungsberichte, Reportagen |
Verwaltungstexte, Bescheide |
| Erzähltexte, Belletristik |
Gesetze, Verträge |
| Anleitungen, Ratgeber |
Wissenschaftliche Texte |
| Alltagssprache, Dialoge |
Gutachten, Protokolle |
Übermäßiger Nominalstil als Stilfehler
Übermäßiger Nominalstil („Beamtendeutsch“, „Papierdeutsch“) macht Texte schwer lesbar und unverständlich.
Problematisch
- Die Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften der Verordnung obliegt der zuständigen Behörde.
- → Vier Genitive hintereinander – kaum verständlich!
Verbessert
- Die zuständige Behörde überprüft, ob die Vorschriften der Verordnung eingehalten werden.
- → Klares Agens, aktive Verben, leichter zu verstehen.
Faustregel: Maximal zwei Genitive hintereinander. Wenn ein Satz mehr als drei Nominalisierungen enthält, sollte man prüfen, ob einige in Verben umgewandelt werden können.
Zusammenfassung
- Verbalstil: aktive Verben, Nebensätze, dynamisch, leichter verständlich – typisch für Journalismus und Alltag.
- Nominalstil: Nominalisierungen, Genitivketten, verdichtet, sachlich – typisch für Verwaltung und Wissenschaft.
- Umformung Verbal → Nominal: Verb → Nominalisierung, Nebensatz → Attribut.
- Umformung Nominal → Verbal: Nominalisierung → Verb, Attribut → Nebensatz.
- Übermäßiger Nominalstil ist ein Stilfehler – maximal zwei Genitive hintereinander.
- Die Stilwahl hängt von Textsorte, Leserschaft und Kommunikationsziel ab.
Häufig gestellte Fragen – FAQ
Was kennzeichnet den Verbalstil?
Der Verbalstil nutzt finite Verben und Nebensätze: Nachdem die Regierung beschlossen hatte, die Steuern zu senken, reagierten die Märkte positiv. Er ist dynamisch, lebendig und leichter verständlich – typisch für Erzähltexte, Journalismus und Alltagssprache.
Was kennzeichnet den Nominalstil?
Der Nominalstil verwendet Nominalisierungen, Genitivketten und Präpositionalattribute: Nach dem Beschluss der Regierung zur Senkung der Steuern kam es zu einer positiven Reaktion der Märkte. Er ist verdichtet und sachlich – typisch für Verwaltung, Recht und Wissenschaft.
Wann wird übermäßiger Nominalstil zum Problem?
Übermäßiger Nominalstil ist ein Stilfehler: Er macht Texte schwer lesbar, unpersönlich und unnötig kompliziert. Besonders problematisch: Genitivketten (die Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften der Verordnung) und abstrakte Nomen ohne klares Agens.
Wie formt man systematisch Nominalstil in Verbalstil um?
Schritte: 1. Nominalisierung identifizieren (die Überprüfung). 2. Basisverb finden (überprüfen). 3. Agens bestimmen (Wer handelt?). 4. Satz bilden (Die Behörde überprüft die Einhaltung). Genitivattribute werden zu Objekten oder Nebensätzen.
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