Auf C1-Niveau vertiefen Sie die verbale Nominalisierung systematisch. Sie analysieren die Bildung mit verschiedenen Suffixen (-ung, -nis, -e, Infinitiv als Nomen), verstehen komplexe Nominalisierungen in Fachtexten und üben die Rücktransformation von Nominal- in Verbalstil.
Verbale Nominalisierungen verwandeln Verben in Nomen. Je nach Suffix ändert sich das Genus und die Bedeutungsnuance.
| Suffix | Genus | Verb → Nomen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| -ung | die (f.) | erforschen → die Erforschung | Häufigstes Suffix; Prozess oder Ergebnis |
| -nis | die/das | erkennen → die Erkenntnis | Ergebnis oder Zustand; das Ergebnis, die Kenntnis |
| -e | die (f.) | suchen → die Suche | Oft mit Vokalwechsel: bitten → Bitte |
| Infinitiv | das (n.) | lernen → das Lernen | Immer Neutrum; betont den Vorgang |
| -tion / -ierung | die (f.) | organisieren → die Organisation | Bei Fremdwörtern lateinischen Ursprungs |
| -t / -ft | die (f.) | ankommen → die Ankunft | Oft mit Stammänderung: fahren → Fahrt |
In Fachtexten tragen Nominalisierungen häufig Genitivattribute und Präpositionalattribute, die den Text stark verdichten.
Wissenschaftliche, juristische und administrative Texte verwenden systematisch deverbale Nomen (= aus Verben abgeleitete Nomen). Dies erzeugt einen sachlichen, verdichteten Stil.
| Verbalstil | → | Nominalstil (mit Nominalisierung) |
|---|---|---|
| Man hat die Daten analysiert. | → | die Analyse der Daten |
| Die Regierung hat die Reform beschlossen. | → | der Beschluss der Regierung zur Reform |
| Die Behörde genehmigt den Antrag. | → | die Genehmigung des Antrags |
| Die Kosten sind gestiegen. | → | der Anstieg der Kosten |
Um komplexe Fachtexte zu verstehen oder zu vereinfachen, hilft die Rücktransformation von Nominalisierungen in verbale Strukturen.
| Schritt | Aktion | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Nominalisierung identifizieren | die Überprüfung des Antrags |
| 2 | Basisverb finden | Überprüfung → überprüfen |
| 3 | Agens bestimmen (Wer handelt?) | die Behörde (aus dem Kontext) |
| 4 | Satz bilden | Die Behörde überprüft den Antrag. |
Die Wahl zwischen verbaler und nominaler Formulierung hängt von Textsorte, Leserschaft und Kommunikationsziel ab.
| Nominalstil geeignet | Verbalstil geeignet |
|---|---|
| Wissenschaftliche Texte | Journalistische Texte |
| Verwaltungstexte, Gesetze | Erzähltexte, Belletristik |
| Gutachten, Protokolle | Anleitungen, Erklärungen |
| Verdichtung gewünscht | Verständlichkeit im Vordergrund |
Die wichtigsten Suffixe: -ung (die häufigste Form): erforschen → Erforschung. -nis: erkennen → Erkenntnis. -e: suchen → Suche. Infinitiv als Nomen (immer Neutrum): das Lernen, das Schreiben. Dazu: -tion/-ierung bei Fremdwörtern: organisieren → Organisation.
In Fachtexten tragen Nominalisierungen oft Genitivattribute und Präpositionalattribute: die Durchführung der geplanten Maßnahmen, die Entscheidung über den Antrag. Diese Strukturen können verschachtelt werden und machen Texte sehr dicht.
Rücktransformation bedeutet, Nominalisierungen in verbale Strukturen umzuschreiben: die Überprüfung des Antrags → den Antrag überprüfen. Diese Technik hilft beim Verstehen komplexer Fachtexte und beim Vereinfachen von Texten.
Nominalisierungen sind angemessen in formellen Texten: Wissenschaft, Verwaltung, Recht. Sie wirken unpersönlich, sachlich und verdichtet. In Alltagstexten oder bei übermäßigem Gebrauch erzeugen sie den „Nominalstil“, der schwer lesbar wirkt. Die Balance zwischen Nominal- und Verbalstil ist entscheidend.