GER-Niveau C1 • Pronomen

Indefinitpronomen

Auf C1-Niveau beherrschen Sie die Indefinitpronomen in ihrer vollen Systematik: Sie deklinieren jemand und niemand sicher (auch mit den heute oft weggelassenen Endungen -en/-em), bilden das vollständige Paradigma von man (man / einen / einem / sich), unterscheiden adjektivische und substantivische Verwendungen von jeder, alle, mancher, einige, viele, wenige, beherrschen die irgend-Komposita als systematische Reihe und kennen die gehobenen Formen jeglich-, sämtlich-, etlich-, beid-.

Kernregel: Indefinitpronomen verweisen auf nicht näher bestimmte Personen oder Sachen. Personenpronomen jemand/niemand tragen klassisch die Endungen -en (Akk.), -em (Dat.), -es (Gen.); in modernem Deutsch sind die Endungen im Akk. und Dat. fakultativ. Etwas/nichts bleiben unflektiert. Das Pronomen man hat ein eigenes Paradigma (Akk. einen, Dat. einem, Reflex. sich), keinen Genitiv. Jeder, alle, mancher, einige, viele, wenige folgen der starken Adjektivdeklination.

Personen- und Sachpronomen: jemand, niemand, etwas, nichts

Die Pronomen jemand und niemand bezeichnen eine nicht näher bestimmte Person; etwas und nichts bezeichnen eine nicht näher bestimmte Sache. Während etwas und nichts unflektiert bleiben, wird jemand/niemand in der Schriftsprache klassisch dekliniert – die Endungen im Akkusativ und Dativ sind jedoch im modernen Deutsch fakultativ.

KasusPerson (klassisch)Person (modern)SacheSache negativ
Nominativ jemand / niemand jemand / niemand etwas nichts
Akkusativ jemanden / niemanden jemand(en) / niemand(en) etwas nichts
Dativ jemandem / niemandem jemand(em) / niemand(em) etwas nichts
Genitiv jemandes / niemandes (meist Umschreibung mit von + Dat.)

jemand / niemand – Beispielsätze

  • Jemand hat an der Tür geklingelt. (Nom.)
  • Ich habe jemanden kennengelernt. (Akk., Schriftsprache)
  • Sie sprach mit jemandem aus der Abteilung. (Dat., Schriftsprache)
  • Jemandes Regenschirm liegt noch hier. (Gen., selten)
  • Er hat niemanden erreicht. (Akk.)
  • Sie hat mit niemandem darüber gesprochen. (Dat.)

etwas / nichts – unflektiert

  • Ich möchte etwas trinken. (Akk.)
  • Sie hat nichts bemerkt. (Akk.)
  • Er hat etwas Wichtiges gesagt. (+ neutrales Adjektiv auf -es)
  • Wir haben nichts Neues erfahren. (+ -es-Form)
  • Mit etwas Glück schaffen wir es. (Dat., unflektiert)
Regel – jemand/niemand heute: In der gehobenen Schriftsprache werden die Endungen -en (Akk.) und -em (Dat.) gesetzt. In der gesprochenen Sprache und zunehmend auch in Zeitungstexten werden sie weggelassen. Beide Varianten gelten als korrekt. Auf C1 sollten Sie die deklinierten Formen aktiv beherrschen.

Verstärkende Formen: irgendjemand, irgendetwas

Mit der Vorsilbe irgend- wird die Unbestimmtheit verstärkt: ‚egal wer / egal was‘. Irgendjemand und irgendetwas sind standardsprachlich, irgendwer und irgendwas eher umgangssprachlich.

  • Hat irgendjemand den Schlüssel gesehen? (= egal wer)
  • Wir müssen irgendetwas unternehmen. (= egal was)
  • Umgangssprachlich: Ruf irgendwen an! / Sag irgendwas!
Regel – etwas/nichts + Adjektiv: Nach etwas, nichts, viel, wenig wird das folgende substantivierte Adjektiv großgeschrieben und endet auf -es (stark, Neutrum): etwas Schönes, nichts Neues, viel Interessantes. Im Dativ: mit etwas Neuem.

Das Pronomen man – Vollparadigma

Das Indefinitpronomen man bezeichnet eine unbestimmte Person oder die Allgemeinheit. Es hat nur den Nominativ; in den anderen Kasus wird auf einen / einem / sich zurückgegriffen. Einen Genitiv gibt es nicht.

KasusFormBeispiel
Nominativ man Man sollte immer pünktlich sein.
Akkusativ einen Solche Nachrichten machen einen sprachlos.
Dativ einem Niemand sagt einem die Wahrheit.
Reflexiv sich In dieser Stadt kann man sich leicht verirren.
Genitiv existiert nicht – Umschreibung nötig (z. B. seiner selbst)

Typische Verwendungen

  • Allgemeine Aussagen: Man lernt nie aus.
  • Höfliche Distanz: Das macht man nicht. (statt: Das machst du nicht)
  • Passiv-Ersatz: Man repariert den Aufzug. (= Der Aufzug wird repariert.)
  • Rezepte, Anleitungen: Man nehme 200 g Mehl… (mit Konj. I)

Register und Gender-Neutralität

  • Neutrales Register: in Sachtexten, Protokollen und Anleitungen üblich.
  • Gender-neutral: man bezieht sich grammatisch nicht auf ein Geschlecht und wird oft als inklusive Alternative gewählt.
  • Wechsel im Satz vermeiden: einmal man gewählt, dann konsequent einem/einen/sich – nicht mit du oder man wird mischen.
  • In Aufsätzen kann man als vage empfunden werden; präzise Alternativen sind Leser:innen, Fachleute, Wissenschaftler.
Regel: Innerhalb eines Textes muss man konsequent bleiben. Satzreihen wie *Man sieht das Haus, und du kannst … sind stilistisch fehlerhaft. Korrekt: Man sieht das Haus, und man kann … oder durchgehend einem/einen/sich.

jeder, alle, mancher, einige, viele, wenige

Diese Indefinita folgen der starken Adjektivdeklination (d. h. sie tragen selbst die Endungen, die sonst der bestimmte Artikel trägt). Sie können adjektivisch (vor einem Nomen) oder substantivisch (allein) stehen. Jeder, mancher stehen im Singular; alle, einige, viele, wenige (und mehrere) im Plural.

KasusMask. Sg. (jeder)Fem. Sg. (jede)Neut. Sg. (jedes)Plural (alle)
Nominativ jeder Mensch jede Frau jedes Kind alle Kinder
Akkusativ jeden Mensch(en) jede Frau jedes Kind alle Kinder
Dativ jedem Mensch(en) jeder Frau jedem Kind allen Kindern
Genitiv jedes Menschen jeder Frau jedes Kindes aller Kinder

Adjektivisch (vor Nomen)

  • Jeder Student hat Zugang zur Bibliothek. (Nom. Sg.)
  • Ich kenne manchen Kollegen persönlich. (Akk. Sg.)
  • Mit einigen Argumenten bin ich einverstanden. (Dat. Pl.)
  • Die Meinung aller Beteiligten wurde gehört. (Gen. Pl.)
  • Viele Experten warnen vor den Folgen.
  • Nur wenige Stimmen waren kritisch.

Substantivisch (ohne Nomen)

  • Jeder kann mitmachen. (Nom. Sg. Mask. / generisch)
  • Das gilt für jeden. (Akk. Sg.)
  • Ich habe allen geantwortet. (Dat. Pl., Personen)
  • Manche glauben das nicht. (Nom. Pl.)
  • Einige sind schon da, andere kommen später.
  • Viele sind skeptisch, wenige optimistisch.

Substantivierung: alles, alle, allen, allem

FormBedeutungBeispiel
alles Nom./Akk. Sg. Neutrum – „jede Sache“ Alles ist in Ordnung. / Ich habe alles verstanden.
alle Nom./Akk. Pl. – „alle Personen/Sachen“ Alle sind gekommen. / Ich kenne alle.
allen Dat. Pl. (Personen/Sachen) Ich danke allen herzlich.
allem Dat. Sg. Neutrum (oft nach vor, bei, nach, trotz, mit) Vor allem brauchen wir Geduld. / Trotz allem bin ich zufrieden.
aller Gen. Pl. Das ist die Meinung aller.
Regel – allen vs. allem: Allen ist Dativ Plural (Personen/Sachen). Allem ist Dativ Singular Neutrum und steht typischerweise in festen Wendungen: vor allem, bei allem, trotz allem, nach allem, mit allem. Merken Sie: vor allem (= ‚besonders‘) – nicht *vor allen.

jeder vs. ein jeder / jeder Mensch

Die gehobene Variante ein jeder / ein jeglicher verstärkt die Bedeutung ‚jeder ohne Ausnahme‘. Diese Formen findet man in literarischen und juristischen Texten.

  • Jeder weiß das. (neutral)
  • Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. (explizit)
  • gehoben: Ein jeder ist seines Glückes Schmied.
  • gehoben/veraltet: Ein jeglicher soll seine Pflicht tun.

Indefinitpronomen + Genitivattribut

Ein Indefinitpronomen kann durch ein Genitivattribut oder eine von-Phrase präzisiert werden: einer / eine / eines / keiner / jeder / viele … der/des …

  • Sie ist eine der besten Tänzerinnen des Landes.
  • Er gilt als einer der besten Tänzer seiner Generation.
  • Keiner der Zeugen konnte sich erinnern.
  • Jeder der Kandidaten wurde einzeln befragt.
  • Viele der Teilnehmenden kamen aus dem Ausland. (Alternative: Viele von den Teilnehmenden)
Regel: Das Bezugsnomen im Genitiv steht im Plural. Das Pronomen richtet sich im Numerus und Genus nach dem Sinn (einer Mask., eine Fem., eines Neut.). Das Verb steht im Singular: Einer der Tänzer ist …, nicht *sind.

kein vs. keiner – die Negation als Indefinitum

kein (adjektivisch, vor Nomen)

  • Ich habe keine Zeit.
  • Er hat mit keinem Kollegen gesprochen.
  • Kein Mitarbeiter war anwesend.

keiner (substantivisch, ohne Nomen)

  • Keiner hat es bemerkt. (= niemand)
  • Ich kenne keinen, der das glaubt.
  • Sie hat mit keinem darüber gesprochen.
Tipp: keiner / niemand sind austauschbar. Niemand ist etwas formeller und stärker markiert als keiner, das in der gesprochenen Sprache häufiger ist.

Irgend-Komposita

Mit der Vorsilbe irgend- bildet das Deutsche eine systematische Reihe von Indefinita, die die Unbestimmtheit betonen: ‚egal welche/r/s, irgendeine/r/s‘. Alle irgend-Komposita beantworten die Frage ‚wer / was / wo / wann / wie?‘ mit der Bedeutung ‚gleichgültig – Hauptsache überhaupt jemand/etwas‘.

Personen & Sachen

  • irgendjemand – eine (egal welche) Person (standardsprachlich)
  • irgendwer – dasselbe, umgangssprachlich
  • irgendetwas – eine (egal welche) Sache (standardsprachlich)
  • irgendwas – dasselbe, umgangssprachlich
  • irgendeiner / -eine / -eines – dekliniert wie einer

Ort, Zeit, Art und Weise

  • irgendwo – an (egal welchem) Ort
  • irgendwohin – in (egal welche) Richtung
  • irgendwoher – aus (egal welcher) Herkunft
  • irgendwann – zu (egal welcher) Zeit
  • irgendwie – auf (egal welche) Art und Weise
  • Irgendjemand muss den Fehler bemerkt haben.
  • Sie hat irgendetwas gesagt, aber ich habe es nicht verstanden.
  • Der Schlüssel muss irgendwo hier liegen.
  • Wir müssen irgendwann darüber reden.
  • Irgendwie werden wir das schon schaffen.
  • Er kommt aus irgendwoher in Osteuropa.
Register: irgendwer und irgendwas sind deutlich umgangssprachlich und sollten in formellen Texten (Essays, Berichte, Prüfungen) durch irgendjemand bzw. irgendetwas ersetzt werden.

Gehobene Indefinita: jeglich-, sämtlich-, etlich-, beid-

Diese Pronomen gehören der gehobenen Schriftsprache an und folgen ebenfalls der starken Adjektivdeklination. Sie verleihen dem Text ein formelleres, oft literarisches oder juristisches Register.

FormBedeutungBeispiel
jeglich- emphatisches jed-: ‚jede(r/s) ohne Ausnahme‘ Sie lehnte jegliche Verantwortung ab.
sämtlich- emphatisches alle: ‚ausnahmslos alle‘ Sämtliche Werke des Autors wurden neu aufgelegt.
etlich- ‚eine ziemliche Anzahl, mehrere‘ (zwischen einige und viele) Wir haben etliche Probleme zu lösen.
beid- ‚die zwei zusammen‘ Beide Vorschläge wurden abgelehnt. / Die beiden Kandidaten …

jeglich- – in Verneinungen und Verstärkungen

  • ohne jeglichen Zweifel (Akk. Sg. Mask.)
  • bar jeglicher Vernunft (Gen. Sg. Fem., gehoben)
  • Ich lehne jegliche Einmischung ab.

sämtlich- / etlich- in Texten

  • Die Polizei befragte sämtliche Zeugen.
  • Der Bericht liegt in sämtlichen Amtssprachen vor.
  • Etliche Teilnehmende reisten früher ab.
  • Das Projekt brachte etliche Überraschungen mit sich.

Besonderheiten von beid-

  • Beide Kandidaten sind geeignet. (Nom., stark)
  • Die beiden Kandidaten sind geeignet. (nach bestimmtem Artikel: schwach)
  • Wir beide können das. / Wir beiden können das. (beide Varianten akzeptabel)
  • Mit beiden Händen. (Dat. Pl.)
  • Die Meinung beider Seiten. (Gen. Pl.)

Orthografische Falle: ein paar vs. ein Paar

FormBedeutungBeispiel
ein paar (klein) unbestimmtes Zahlwort: ‚einige, wenige‘ Ich brauche noch ein paar Minuten.
ein Paar (groß) Nomen: ‚zwei zusammengehörige‘ Ich habe mir ein Paar Schuhe gekauft.
Tipp: Testen Sie mit ‚zwei‘: Passt ‚zwei zusammengehörige‘? → ein Paar (Nomen, groß). Meint man ‚einige‘? → ein paar (klein).

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Heißt es 'mit jemand' oder 'mit jemandem'?

Beide Formen sind heute zulässig. Klassisch und in der Schriftsprache wird jemand dekliniert: mit jemandem (Dat.), für jemanden (Akk.). In der gesprochenen Sprache und zunehmend auch in geschriebenen Texten werden die Endungen -en und -em jedoch häufig weggelassen: mit jemand, für jemand. Im Genitiv ist die Endung -es obligatorisch (jemandes Hilfe), wird aber oft durch von jemand(em) ersetzt. Auf C1 sollten Sie die deklinierten Formen aktiv beherrschen.

Wie lautet das vollständige Paradigma des Pronomens 'man'?

Man existiert nur im Nominativ. Im Akkusativ wird es durch einen, im Dativ durch einem ersetzt; das Reflexivpronomen lautet sich. Beispiel: Man kann nie wissen, was einem passiert, wenn jemand einen beobachtet, während man sich entspannt. Einen Genitiv hat man nicht. Stilistisch wirkt man neutral und gilt heute oft als geschlechtsneutrale Alternative zu er/sie.

Was bedeuten die irgend-Komposita?

Die Vorsilbe irgend- drückt aus, dass die Wahl der Person, Sache, Zeit oder des Ortes egal bzw. unbestimmt ist. Die Reihe ist systematisch: irgendwer / irgendjemand (Person), irgendwas / irgendetwas (Sache), irgendwo / irgendwohin / irgendwoher (Ort), irgendwann (Zeit), irgendwie (Art und Weise). Irgendwer und irgendwas sind eher umgangssprachlich, irgendjemand und irgendetwas standardsprachlich.

Was ist der Unterschied zwischen 'allen' und 'allem'?

Allen ist Dativ Plural (Personen oder Sachen): Ich danke allen Helfern. Allem ist Dativ Singular Neutrum, meist nach vor, bei, nach, mit, trotz: Vor allem Geduld ist wichtig. Trotz allem bin ich zufrieden. Substantiviert bedeutet alles ‚jede Sache‘ (Nom./Akk. Sg.): Alles ist gut.Alle sind da. (Personen, Plural).

Was sind 'jeglich-', 'sämtlich-' und 'etlich-'?

Diese Indefinita gehören der gehobenen Schriftsprache an. Jeglich- verstärkt jed- und betont die Universalität (jegliche Verantwortung ablehnen). Sämtlich- ist eine emphatische Variante von alle (sämtliche Bücher des Autors). Etlich- bedeutet ‚eine ziemliche Anzahl, mehrere‘ und liegt zwischen einige und viele (etliche Probleme). Alle drei folgen der starken Adjektivdeklination.

Übungen

Ready to practice? Log in to begin!
Log in to unlock exercises

More ways to practice German